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05.08.2010 - Das Insel-Tagebuch GC Budersand - Fünf Sterne leuchten

Die Südspitze der Insel Sylt war über Jahrhunderte nicht besiedelt. Das erste Haus stand in den Dünen bei „Budersand“ etwa von 1765 bis 1785. Es diente zur Lagerung von Strandgut, wurde aber bald wieder abgetragen. Während andere Ort wie Keitum, Morsum, Westerland und List schon blühende Fischerdörfer waren, wurde Hörnum gemieden. Problematisch waren nicht nur die Sturmfluten und der raue Wind, sondern auch die Wanderdünen, die Häuser immer wieder verschluckten.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde dem durch gezielte Bepflanzung mit Strandhafer Einhalt geboten. Hörnum als Südspitze der Insel wurde von den Militärstrategen in beiden Weltkriegen als strategisch wichtiges Ziel ausgewiesen, das besonderer Verteidigung bedurfte, so entstanden bereits 1914 die ersten Baracken und Lager.

Während des Zweiten Weltkrieges zogen erneut Soldaten in Hörnum ein, der 1935 errichtete Seefliegerhorst und die „militärische Siedlung Hörnum“ ließen die Einwohnerzahl der Gemeinde auf über 1000 anwachsen. Genau das Gelände der militärischen Nutzung ist heute überhaupt nicht wieder zu erkennen, denn exakt hier befindet sich heute einer der ungewöhnlichsten Golfplätze Deutschlands, der Golfclub Budersand.

Seine Geschichte ist ebenso einzigartig wie die Geschichte Hörnums. Die Besitzerin des Klubs ist Claudia Ebert, seit Kindheitstagen mit Zweitwohnsitz auf der Insel zuhause. Sie gehört zu der Familie, die für ihre Anteile am Wella-Konzern die Summe von insgesamt 3,16 Milliarden Euro erhielt. Das Manager-Magazin schrieb über ihr Budersand-Projekt: „Auf Sylt hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn einen ordentlichen Batzen ihres Geldes verbuddelt: Für 50 Millionen Euro entstand in Hörnum der traumhaft am Meer gelegene18-Loch-Golfplatz Budersand mitsamt einem Fünf-Sterne-Hotel neben dem kleinen Jachthafen am Südende der Insel.“ Als Architekt für den Platz verpflichtete sie einen bis dahin nicht als Golfarchitekt in Erscheinung getreten war, den Sylter Landschaftsarchitekten Rolf-Stephan Hansen, der als leidenschaftlicher Golfer 1999 am „European Institute of Golf Course Architects“, kurz EIGCA sein Studium aufnahm und 2002 abschloss. Auf der Website der EIGCA wird der GC Budersand stolz als sein Entwurf geführt.

Der Insulaner war offensichtlich genau der richtige Mann für Claudia Ebert, gemeinsam bereisten sie Irland und Schottland, schauten sich die schönsten Links-Kurse an und entwickelten einen Plan für das Gelände der ehemaligen Pidder-Lüng-Kaserne. Drei Jahre dauerte die Planungsphase, am 29.03. 2006 wurde der Bau begonnen. Immer wieder tauchten Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg auf – dicke Betonbunker, die unter den Dünen verschwunden waren und mühsam abgetragen werden mussten, gar eine Tiefgarage mit Dutzenden verrotteten Fahrzeugen. Am 18. Juli 2008 war es dann soweit, der GC Budersand öffnete seine Fairways und Greens.

Die ersten Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten, und auch in diesem Jahr wurde der Platz erneut ausgezeichnet. Bei den „GOLFmagazin Awards 2010“  wurde der GC Budersand im März 2010 zur Nummer Drei in Deutschland gekürt, eine Woche später folgte eine zweite Anerkennung, Claudia Ebert gewann den „Rheingolf Award“ in der Kategorie „Golftourismus in Deutschland“. In der Begründung heisst es: „Claudia Ebert hat mit der Realisation des Budersand-Projektes in herausragender Weise nicht nur den Golf-Tourismus auf Sylt, sondern insgesamt in Deutschland gefördert.“

Dazu zählt nicht nur der Golfplatz, sondern auch das Fünf-Sterne-Hotel „Budersand Golf & Spa“, das direkt am Golfplatz liegt. Mutige, moderne Architektur, nicht das nächste Reetdach-Friesen-Look-Hotel, das verdient viel Anerkennung und großen Respekt. Direktorin Sandra Jacobs leitet das schicke Hotel mit feiner Hand und leisen Tönen. Zimmer mit feinster Inneneinrichtung und besten Aussichten, großzügige öffentliche Bereiche, ein moderner Spa-Bereich und ein feines Restaurant, KAI 3. Dazu kann ich keine Bewertung abgeben, ich habe es noch nicht getestet. Mehrfach genossen habe ich aber das zum Golfklub gehörige Restaurant „Strönholt“.

Das Restaurant gehört zum Golfhaus, liegt auf dem höchsten Punkt der Düne am Platz der ehemaligen Fernmeldestation und ist ein Hingucker und ein Weggucker zugleich. Ein Hingucker, weil das schlichte, elegante Design – von Jan Wichers aus Hamburg – einfach große Klasse ist und weil der Ausblick wohl der schönste der Insel ist. Auf der einen Seite die Nordsee mit kräuselnden Wellen, auf der anderen Seite das Watt, dazwischen der Leuchtturm und dazu der Blick über den Golfplatz– großes Kino! Das Restaurant ist mit viel Feingefühl entworfen, eine freistehende Bar für einen Drink oder Snack, ein Kamin mit gemütlichen Ledersesseln, dazu eine Reihe Esstische.

Und bei schönem Wetter wird die 250 Quadratmeter große Terrasse geöffnet, 90 weitere Sitzplätze stehen dann zur Verfügung. Der Service ist freundlich und gut, wenn die Terrasse zusätzlich zum Normalbetrieb besetzt ist, muss man aber etwas Geduld mitbringen, der Durstlöscher nach der Runde lässt dann schon mal auf sich warten. Das Essen ist exzellent, frische und leichte Bistro-Küche mit guten Zutaten. Im Golfhaus auch ein gut sortierter Pro-Shop, und das Sekretariat und Büro des erfahrenen Golfmanagers Harald Holle, der seine Arbeit sehr engagiert und mit großer Kompetenz macht und im Vorder- und Hintergrund für reibungslose Abläufe sorgt.

Doch zurück zum Golfplatz, der das Insel-Quartett vervollständigt hat. Der Klub hat keine Mitglieder, Claudia Ebert kann sich das leisten. Sie selbst, ein paar Familienmitglieder und Freunde stehen in der Mitgliedsliste, es sollen insgesamt 15 Personen sein. Das Konzept ist Greenfee-Spieler anzulocken, und die kommen nach den Bewertungen auch in Scharen. Die Eindrücke nach den Runden sind allerdings nicht immer positiv, ich habe etliche Spieler befragt und von höchster Begeisterung bis zu hier-komme-ich-nicht-wieder-her-gemaule habe ich alles gehört. Fakt ist, der Platz ist schwer, vor allem bei Wind. Und wann gibt es auf Sylt keinen Wind? So gut wie nie, vor allem die Südspitze der Insel hat auch dann noch eine steife Brise, wenn es in Keitum oder Morsum windstill ist.

Die Schwierigkeit des Platzes erläutere ich an ein paar Beispielen. Bahn 1 heißt „faine Spöl“, soll wohl so viel heißen wie „schönes Spiel“, ist für Herren 374 und für Damen 325 Meter lang. Es ist ein leichtes Dogleg links, von einem erhöhten Abschlag aus geht es in eine Senke, dann wieder bergauf, ein blindes Anspiel auf das Grün. Wer über die linke Seite abkürzen möchte, verliert seinen Ball meist im kniehohen Rough, Suchen sinnlos. Wer einen geraden Drive schlägt, sieht seinen Ball entweder nach rechts ins Rough hüpfen – Suchen nicht sinnlos, aber auch nicht aussichtsreich oder in einem der beiden Topfbunker verschwinden, der für Herren bei 196 und Damen bei 147 Metern lauert – typische Drivelängen für Amateure. Wer weder im Rough noch in einem der beiden Fairwaybunker gelandet ist, bekommt noch eine dritte Chance, einen Topfbunker zu treffen, direkt vor dem Grün.

Der ist aus der Senke heraus nicht sichtbar, ein vermeintlich guter Schlag kann unspielbar enden. Hier zeigt sich dann schon das erste Mal der Sinn des hervorragend gestalteten und informativen „Course Planner“, der seinen Namen wirklich verdient. Exakte Vermessung mit den wichtigen Angaben, dazu eine Extra-Grafik mit den Wellen des Grüns, das sollte Schule machen. Die Scorekarte weist das Loch als Vorgabe 3 aus, das drittschwerste Loch auf dem Platz. Sehr sinnvoll, die Startzeiten im 15-Minuten-Takt und ein empfohlenes Handicap von mindestens 28.

An Loch Zwei wird es nicht einfacher, ein erhöhter Abschlag erlaubt freie Sicht über die Spielbahn, aber hier lauern gleich sieben Bunker, vier auf dem Fairway, drei am Grün. Die Bunker nicht zu treffen, ist hier sehr schwer. Die offene Spielbahn ist dem Wind ausgesetzt, bei starkem Wind von Westen hilft nur das Zielen auf die Ausgrenze links und dann hit & hope! Die vier Fairwaybunker, zwei links, zwei rechts, erlauben keine Ausweichmöglichkeit, das Fairway ist kaum mehr als zwanzig Meter breit. Wer es dennoch geschafft hat, sie zu umspielen, hat die nächsten Hürden vor sich. Drei Bunker am Grün, einer linksseitig, einer mittig vor dem Grün, einer rechts. Keine Chance zum Ausweichen, entweder das Grün treffen oder Schläge verlieren. Die Liste lässt sich fortsetzen. Ich denke, hier hat ein begeisterter Architekt zu viel des Guten gewollt, insgesamt hat der Platz 90 Bunker, die einem immer wieder den Weg versperren. Ich kann den Frust und die Verzweiflung mancher Spieler gut verstehen.

Zwischen Loch 4 und 5 wird es dann ganz schön eng, obwohl insgesamt 73 Hektar Land zur Verfügung standen. Einiges davon wurde wohl dem Naturschutz geschuldet, jedenfalls muss man hier das Golfgelände verlassen, um zwischen ehemaligen Kasernengebäuden  und heutigem Jugendheim zum nächsten Abschlag zu marschieren. Loch 5 ist dann das nächste Beispiel für übertriebene Hindernisplanung. Vom Abschlag sichtbar in Drivelänge zwei Bunker auf der rechten Seite der Spielbahn, also spielt man den Ball auf die linke Seite des Fairways. Kommt man näher, tauchen zwei kleine, gemeine Bunker auf der linken Seite auf und  - oh Wunder, da liegt der Ball. Ich habe mit einem Kollegen gespielt, der sage und schreibe sechs Schläge gebraucht hat, um wieder auf das Fairway zu kommen. Beileibe kein Hacker, sondern ein ordentlicher Spieler mit einem fast einstelliges Handicap. Die Flüche werden nicht zitiert.

Die zweiten neun Löcher werden dann etwas offener, und Loch 15, ein Par 3 mit 101 Metern, ist das wohl schönste Par 3, das ich in Deutschland kenne. Ein erhöhter Abschlag am Rande einer Düne, über das Grün geht der Blick aufs Meer, am Horizont sind Amrum und Föhr zu sehen. Einfach spektakulär, aber auch hier ist ein präziser Schlag erforderlich. Die sehr guten, harten Grüns halten kaum, der Ball muss vorn landen, um auf der Puttfläche zu bleiben. Ist er zu kurz, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem von drei Bunkern vor dem Grün, ist er lang, in einem der beiden rechts oder links hinten. So kann auch ein ganz kurzes Par 3 seine Tücken haben.

Insgesamt ist der GC Budersand eine echte Attraktion, eine ganz starke Bereicherung für die Insel. Der Platz ist immer top gepflegt, großes Lob für Jim Ellis. Der Schotte hat den Ehrgeiz, Budersand auf höchstem Niveau zu halten, wohl auch, weil dieser Linksplatz ihn an seine Heimat erinnert. Wer zum Golf spielen auf die Insel kommt, muss sich selbst und dem Platz eine Chance geben und herausfinden, ob es Liebe, Hass, oder Hassliebe wird. Das Greenfee beträgt in Hochsaison (10. 05.-14. 09. 2010) 80 Euro für 18 Loch, 45 Euro für neun Loch. Ich persönlich liebe den Platz, finde einfach nur die Anzahl und auch Platzierung der Bunker übertrieben und ihre Lage oft mehr der Optik als dem Spiel geschuldet, aber auch das muss man einem Erstlingswerk wohl nachsehen.

Ob er so viel Lob und so viele Auszeichnungen verdient hat, muss jeder selbst entscheiden. Ich habe manchmal den Verdacht, dass die Herren von den Printmagazinen und Golfmessen etwas ganz Anderes mit diesen Ehrungen im Sinn haben. Sie schauen auf das große Vermögen der Investorin und hoffen auf einen erklecklichen Anteil in Form massiver Werbung oder Messeauftritte auf teuren Ständen für einen Golfplatz ohne Mitgliederschaft, der von Greenfee lebt und ein Hotel, für das die Trommel gerührt werden muß. Ich denke, die haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Claudia Ebert engagiert sich lieber sozial, hat ihre eigene Stiftung, die sich für verschiedene Hilfsprojekte engagiert und sich auch auf Sylt und in Budersand zeigt – zum Beispiel mit der 1. Budersand – Sansibar Charity Trophy, die am 13. September 2010 über die Bühne geht, zugunsten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, kurz „Die Seenotretter“ und eben der Claudia-Ebert-Stiftung.

Das Startgeld/Teilnahmegebühr von 595 Euro beinhaltet einen Charity-Anteil von 265 Euro, Abendessen und Getränke in der Sansibar, Frühstück im Restaurant Strönholt, Greenfee für Einspielrunde und Turnier, Rundenverpflegung, Gala im Restaurant Strönholt inklusive Buffet und korrespondierender Getränke. Ein schönes Engagement für einen guten Zweck, ich habe mich gleich angemeldet und freue mich auf ein tolles Event – vor allem aber auf den Golfplatz Budersand.

Bernd J. Störtebek

Das Hotel:
http://www.budersand.de/

Der Golfklub:
http://www.gc-budersand.de/

Das Restaurant: 
http://www.stroenholt.de/

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